Mit dem Gehör optimieren – wie funktioniert das?

Dieser Blog soll dazu dienen, dass Sie ein wenig „hinter die Kulissen“ meiner Arbeit blicken können und mich noch ein wenig näher kennenlernen.

Ich starte hiermit die Blogartikel-Serie „Mit dem Gehör optimieren“.
Im ersten Artikel soll es um meine Hilfsmittel gehen, die ich tagtäglich einsetze. Sie sind die Voraussetzung, damit ich letztendlich eine Webseite gut analysieren kann. Ich nutze zwar nicht nur das Gehör für die Optimierung, aber dieses ist sehr entscheidend, sodass ich mich für diesen Titel entschieden habe.

Ein sehr persönliches Interview

Anlass für diese Blogserie ist das Interview mit mir im Content Performance Podcast.
Hierfür möchte ich Fabian Jaeckert und Benjamin O’Daniel ganz besonders danken. Ich höre ihren Podcast schon seit etwa einem Jahr. Die beiden kommen einfach super natürlich rüber und ich habe schon viel von ihnen gelernt. Also eine absolute Empfehlung!

Die Sprachausgabe als täglicher Begleiter

Mein Alltag, sowohl beruflich als auch privat, wird häufig von einer Sprachausgabe begleitet. Ob ich nun vor dem Rechner sitze oder in der Berliner S-Bahn, ich habe oft einen Stöpsel im Ohr. Sprachausgaben gibt es schon so lange ich denken kann. Natürlich hat sich die Qualität über die Jahre verbessert. Wer von Ihnen ein iPhone besitzt, kann sich das gerne mal selbst anhören. Einfach in die Einstellungen unter „Allgemein“ – „Bedienungshilfen“ Voice Over einschalten. So kann ich bequem von unterwegs Webseiten betrachten oder diese auf ihre Mobiltauglichkeit prüfen. Aber auch am Laptop reicht mir eine Software aus, um mir alles vorlesen zu lassen.

80er Braillezeile oberhalb einer Standardtastatur

Die Braillzeile – mein Ersatzmonitor

Für das Lesen, Verfassen und Analysieren von Textinhalten nutze ich zusätzlich eine Braillezeile. Das ist ein Ausgabegerät, welches mir zeilenweise die Informationen tastbar darstellt. Louis Braille war der Erfinder der Blindenschrift. So ist ein präziseres Arbeiten möglich, da ich beim Lesen jedes einzelne Zeichen „fühle“. Bei einer Sprachausgabe lässt sich ein „dass“ schwer von einem „daß“ im normalen Lesefluss unterscheiden.

Der Screenreader – ähnlich wie ein SEO Tool

Nun ist es schön, dass mir alles vorgelesen werden kann. Es würde mir aber bei der Arbeit kaum etwas helfen, wenn diese Sprachausgabe mir eine Webseite von vorne nach hinten vorliest. Um den Optimierungsbedarf einer Seite zu bestimmen, muss ich mir erst einen Eindruck von der Struktur machen.
Als Hilfsmittel dient mir hier der sogenannte Screenreader. Das ist ein Stück Software, welches die Struktur einer Bedienoberfläche oder einer Webseite analysiert. Dieser funktioniert ähnlich wie ein technisches Analysetool oder der Google Crawler. Das Programm schaut sich das technische Grundgerüst einer Webseite an. In der Praxis wird beim Besuch einer Seite erst der Seitentitel vorgelesen und zudem Informationen über die Stelle, an der ich mich gerade befinde. Ich kann nun bestimmte Merkmale einer Seite betrachten und zum Beispiel feststellen, dass eine Seite gar keine Überschrift besitzt oder diese falsch formatiert ist. So kann ich mir schnell einen Überblick verschaffen.

Wie ich Dinge wahrnehme

Durch meine besondere Arbeitsweise nehme ich natürlich eine Webseite anders wahr als eine normal sehende Person. Ich habe den Fokus auf textliche Inhalte sowie die Struktur. Das hat den Vorteil, dass ich auf diese Weise schnell Probleme aufspüren kann, welche Google mit der Seite haben könnte. Genauso kann ich mir einen Eindruck verschaffen, ob ein Text aus Kundensicht ansprechend ist.

Nun ist es mir aber sehr wichtig zu wissen, wie Sie als Kunde die Webseite betrachten. Daher hilft mir meine sehende Assistenz und beschreibt mir jede kundenrelevante Seite. Da ich selbst früher noch ganz gut sehen konnte, habe ich eine genaue Vorstellung von der Seite oder dem Online Tool.

Warum Google sehbehindert ist

Die Rolle von Bildern, Videos oder anderen grafischen Elementen ist mir bewußt. Trotz alledem kann Google bis heute nicht zuverlässig den Inhalt von Bildern oder Videos beschreiben. Wenn Sie also nach einem Video suchen, in dem ein grünes Krokodil vorkommt, dann sollte irgendwo das Wort in der Beschreibung oder im Titel vorkommen. Wenn dort von einem braunen Salamander gesprochen wird, wird die Suche dieses Video nicht finden. Hier wird sich in naher Zukunft noch einiges tun. So beschreibt mir Facebook jetzt schon grob, was auf einem Bild zu sehen ist, obwohl keine Beschreibung hinterlegt ist. Auch Google Photos findet Bilder zu einem Suchbegriff ohne das dieser im Namen, in der Beschreibung oder in Schlagworten vorkommt. Dank künstlicher Intelligenz und komplexen Bildanalyse-Verfahren können so die Bilder erkannt werden.
Es ist also nur eine Frage der Zeit, dass Bilder auch für Sehbehinderte beschrieben werden. Das könnte das Ende des alt-Tags sein.

Vorschau: die Vorabanalyse

Ich hoffe, Sie haben einen ersten Eindruck bekommen, wie ich arbeite. Im nächsten Artikel beschreibe ich, wie ich vorgehe, wenn ich eine Vorabanalyse einer Webseite durchführe.

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